Wie kann ein ÖPNV-Taxi im ländlichen Raum sinnvoll eingesetzt werden? Welche Erfahrungen gibt es bereits aus der Praxis? Und welche Hinweise können für die Weiterentwicklung von PriMa+ÖV im Landkreis Görlitz hilfreich sein? Mit diesen Fragen war das Projektteam von PriMa+ÖV zu Gast im Landkreis Freudenstadt.
Der Landkreis Freudenstadt setzt das ÖPNV-Taxi bereits seit September 2022 um. Das Angebot ist dort ein fester Bestandteil der Mobilität im ländlichen Raum und ergänzt den bestehenden öffentlichen Nahverkehr. Im Landkreis Görlitz ist das ÖPNV-Taxi seit Mai 2025 im Rahmen von PriMa+ÖV unterwegs. Damit befinden sich beide Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsphasen: Freudenstadt kann bereits auf mehrere Jahre praktische Erfahrung zurückblicken, während PriMa+ÖV derzeit erprobt, wie ein solches Angebot im Landkreis Görlitz angenommen wird und welche Rahmenbedingungen dafür besonders wichtig sind.
Auch die Ausgangslage ist unterschiedlich. In Freudenstadt ist das ÖPNV-Taxi eng mit dem Ziel verbunden, eine verlässliche Erreichbarkeit im ländlichen Raum sicherzustellen. Im Landkreis Görlitz und Bautzen ist PriMa+ÖV breiter angelegt. Das Projekt betrachtet Mobilität im Alltag aus verschiedenen Perspektiven und verbindet das ÖPNV-Taxi mit der Frage, wie Wege im ländlichen Raum flexibler, besser erreichbar und einfacher nutzbar werden können. Ergänzend dazu wird über die Buchungsplattform auch die private Mitnahmemöglichkeit sichtbar gemacht. Fahrten können dort angeboten und gebucht werden. So verbindet PriMa+ÖV öffentliche und private Mobilitätsangebote in einem gemeinsamen Ansatz.
Im Austausch wurde deutlich, dass ein ÖPNV-Taxi klare Strukturen braucht. Dazu gehören verständliche Buchungswege, verlässliche Abläufe und eine enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Verkehrs- und Taxiunternehmen. Ebenso wichtig ist eine gute Kommunikation mit den Nutzern. Ein solches Angebot muss vor Ort bekannt sein und einfach erklärt werden. Der Landkreis Freudenstadt berichtete, dass besonders Informationen in den Gemeinden, persönliche Kontakte und Mundpropaganda dazu beigetragen haben, das Angebot bekannter zu machen.
Eine zentrale Erkenntnis aus dem Treffen war: Das ÖPNV-Taxi ist vor allem dort sinnvoll, wo klassische Linienangebote an ihre Grenzen stoßen. Das betrifft ländliche Räume, Randzeiten und Verbindungen, die im regulären Fahrplan nur eingeschränkt abgedeckt werden können. Es ersetzt den Busverkehr nicht, sondern ergänzt das bestehende Angebot dort, wo Lücken entstehen. Die Erfahrungen aus Freudenstadt machen zugleich deutlich: Ein solches Angebot braucht Zeit, bis es bekannt ist und regelmäßig genutzt wird. Entscheidend sind dabei eine verständliche Kommunikation, der direkte Austausch mit den Gemeinden, ein verlässlicher Betrieb und die Unterstützung durch Verwaltung und Kommunalpolitik. Für PriMa+ÖV ergeben sich daraus wertvolle Hinweise für die weitere Erprobung und Entwicklung im Landkreis Görlitz und Bautzen.
Das Projektteam von PriMa+ÖV bedankt sich herzlich beim Landkreis Freudenstadt für den offenen Austausch und die wertvollen Einblicke in die bisherige Umsetzung. Der Kontakt soll auch künftig fortgeführt werden, um Erfahrungen weiterzugeben, voneinander zu lernen und das ÖPNV-Taxi im Landkreis Görlitz weiterzuentwickeln.
